von Online-Redaktion Cossebaude
Stadtbäume im Blick: So arbeiten Dresdens Baumkontrolleure
Jährliche Untersuchungen sorgen für Sicherheit und helfen, Bäume lange zu erhalten
Ein abgestorbener Ast, eine Höhlung im Stamm oder Schäden an den Wurzeln: Was für Passanten oft erst auf den zweiten Blick erkennbar ist, kann für Baumkontrolleure entscheidend sein. Sie prüfen regelmäßig, ob Bäume standsicher sind und Äste nicht zur Gefahr werden. Dabei geht es nicht automatisch um die Frage, ob ein Baum gefällt werden muss. Häufig können gezielte Pflegemaßnahmen oder Sicherungen dafür sorgen, dass ein Baum noch lange erhalten bleiben kann.
„Die oberste Regel ist, an einem Baum so wenig wie möglich zu schneiden“
Kristina Klabes, eine Baumkontrolleurin des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft
Denn jede Schnittstelle ist auch eine mögliche Eintrittspforte für Pilzerkrankungen. Deshalb wird bei jeder Kontrolle genau abgewogen, welche Maßnahme tatsächlich notwendig ist.
Mehr als 100.000 Bäume sind regelmäßig zu kontrollieren
Im Baumkataster der Landeshauptstadt sind derzeit rund 105.000 Bäume erfasst. Sie stehen unter anderem an Straßen, in Grünanlagen, auf Spielplätzen und Schulgrundstücken. Für die Kontrollen sind zehn Baumkontrolleure zuständig. Wie häufig ein Baum kontrolliert wird, hängt unter anderem von seinem Standort und der damit verbundenen Sicherheitserwartung ab. Bäume an Hauptverkehrsstraßen, auf Spielplätzen oder an stark genutzten Schulgrundstücken haben eine hohe Priorität. Städtische Bäume werden grundsätzlich jährlich kontrolliert. Nach besonderen Ereignissen wie Stürmen kommen zusätzliche Kontrollen hinzu.
Dabei ist eine Baumkontrolle weit mehr als ein kurzer Blick auf die Krone. Die Kontrolleure betrachten den Baum ganzheitlich: das Umfeld und den Wurzelbereich, den Stamm und schließlich die Krone. Auffälligkeiten werden digital dokumentiert. In einer mobilen Anwendung können sie unter anderem frühere Kontrollen, festgestellte Schäden und geplante Maßnahmen einsehen.
Trockenheit setzt Bäume unter Stress
Hitze und Trockenheit machen den Bäumen zu schaffen. Der Stadtstandort ist für Bäume ohnehin schwierig: wenig Bodenraum, versiegelte Flächen, die eingeschränkte Nährstoff- und Wasserversorgung sowie Streusalz setzen den Bäumen ebenfalls zu. Ein einzelnes trockenes Jahr kann ein gesunder Baum in der Regel verkraften. Problematisch wird die wiederkehrende Belastung. Die Bäume geraten dadurch zunehmend unter Stress und verlieren an Vitalität. Absterbende Äste oder größere abgestorbene Kronenteile können die Folge sein. Gerade ältere Bäume sind dabei besonders betroffen: Sie sind unter anderen klimatischen Bedingungen aufgewachsen und können sich an die veränderten Bedingungen nicht mehr so schnell anpassen.
Auch der steigende Pflegebedarf hängt mit dem Alter des Baumbestandes zusammen. Wie bei Menschen nehmen auch bei Bäumen mit zunehmendem Alter die „Gebrechen“ zu. Totholz ist dabei nicht ausschließlich eine Folge des Klimawandels, sondern gehört auch zum natürlichen Alterungsprozess eines Baumes.
Im Durchschnitt müssen jährlich etwa fünf bis zehn Prozent des Baumbestandes bearbeitet werden. Das entspricht bei mehr als 100.000 erfassten Bäumen einer Größenordnung von rund 5.000 bis 10.000 Bäumen.
Ziel: Bäume möglichst lange erhalten
Die häufigste Maßnahme nach einer Kontrolle ist das Entfernen von Totholz. Bei jüngeren Bäumen kann außerdem eine Kronenpflege sinnvoll sein. Dabei wird beispielsweise darauf geachtet, dass sich keine reibenden Äste oder ungünstigen Triebe entwickeln, die später zu Problemen führen könnten.
Bei besonderen oder vorgeschädigten Bäumen reichen die Möglichkeiten der Sichtkontrolle manchmal nicht aus. Dann kommen zusätzliche Untersuchungen zum Einsatz, für die spezialisierte Unternehmen beauftragt werden. Mit einer sogenannten Schalltomografie lässt sich beispielsweise feststellen, wie weit eine Fäule im Inneren eines Stammes fortgeschritten ist. Auch eine sogenannte Bohrwiderstandsmessung kann Aufschluss über die Stabilität des Holzes geben.
Die Platane vor dem Dresdner Rathaus ist ein Beispiel dafür. Der rund 150 Jahre alte Baum weist eine größere Höhlung und Schäden im Stamm auf. Um seine Entwicklung über die Jahre beurteilen zu können, wurde er bereits mehrfach mit einer Schalltomografie untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Zerfall des Holzes über einen längeren Zeitraum vergleichsweise langsam entwickelt hat. Zusätzlich sichern mehrere Kronensicherungen Äste des Baumes. Sollte ein gesicherter Ast ausbrechen, wird er von den Seilen gehalten und fällt nicht unkontrolliert auf die Verkehrsfläche.
Auch unsichtbare Schäden können gefährlich sein
Besonders wichtig ist bei einer Baumkontrolle der Blick auf die Wurzeln. Schäden im Wurzelbereich sind von außen häufig kaum zu erkennen. Werden beispielsweise bei Bauarbeiten Wurzeln beschädigt, können Pilze eindringen und das Holz über längere Zeit zersetzen. Ein Baum kann dabei äußerlich noch vital wirken und trotzdem an Standfestigkeit verlieren.
Deshalb prüfen Baumkontrolleure auch den Wurzelanlauf. Mit einem einfachen Sondierstab können sie beispielsweise feststellen, wie weit eine Höhlung reicht oder ob im Boden an einer erwarteten Stelle noch Widerstand durch Wurzeln vorhanden ist. Nach Sturmereignissen ist dieser Blick besonders wichtig: Ein Baum kann eine grüne Krone haben und trotzdem aufgrund eines geschädigten Wurzelsystems nicht mehr ausreichend im Boden verankert sein.
Bäume brauchen Platz – vor allem unter der Erde
Damit Bäume auch künftig mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen, spielt bereits die Planung neuer Baumstandorte eine wichtige Rolle. Bäume brauchen ausreichend Raum für ihre Wurzeln und eine möglichst gute Wasserversorgung. Gerade an Straßen ist der Platz dafür begrenzt. Das Amt für Stadtgrün setzt sich deshalb dafür ein, bei neuen Baumstandorten größere Wurzelräume zu schaffen und diese beispielsweise über unterirdische Wurzelgräben miteinander zu verbinden.
Auch die Bewässerung junger Bäume wird angesichts zunehmender Trockenperioden wichtiger. Rund 6.000 Jungbäume gehören derzeit zum Bewässerungsbestand der Stadt. Je nach Witterung werden sie während der Vegetationsperiode durchschnittlich sechsmal gewässert. Eine Bewässerungsrunde für alle diese Bäume kostet rund 40.000 bis 50.000 Euro. Unterstützung kommt dabei auch von der Initiative „Dresden gießt“ und weiteren Bürgerinnen und Bürgern, die bei großer Trockenheit selbst zum Wassereimer greifen.
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